Baubericht : „Pasadena 5 Saiter Bass“

Viel Spaß mit dem Baubericht. Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.
Ich möchte hier beginnen, von meinem Projekt, dem Bau eines „Pasadena“ 5-Saiter-Bass-Bausatz für schlappe 99 € (Stand: Dez. 2012*) zu berichten. Heute ist das Paket gekommen und beim ersten öffnen dann das erste "Hallo!". Das Holz selber sieht gar nicht so schlecht aus. Gut alles. Auch der mächtig wirkende Hals fühlt sich schon sehr rau an und müsste ganz klar behandelt werden, aber das hatte ich ja vor. Also ab auf den OP-Tisch.
Die blauen Streifen auf dem Body sind nur eine Art "Gedankenlinie". An dieser Stelle möchte ich den Bass deutlich schmaler schleifen. Zum einen, um ihn ein wenig individueller zu gestalten, und zum anderen, um ihn etwas spielbarer zu machen. Na ja, nix großes und wir kennen das ja schon von anderen Herstellern.
Dann der erste kleine Schreck... der Hals passt nicht in den Body. Das Ende des Halses ist ca. 1mm - 1,5mm zu breit. Mist! Aber noch ist alles im grünen Bereich. Also heißt es hier, feilen und raspeln, bis es passt. Ich wollte ja basteln. Notiz an mich selber: Der Selbstbetrug hat begonnen (hihi).
Die zwei Pfeile deuten auf die Aussparungen, die für die Tonabnehmer gedacht sind. Es gibt nur keine Bohrungen, um die Kabel ins Elektrofach einzuführen. Hier ist also wieder werkeln angesagt. Der dritte Pfeil am Hals zeigt einen Lack-Kleks.... Warum in Dreiteufelsnamen lackiert einer bei einem Bausatz, der roh ist, die Kopfplatte? Ich könnte mir höchstens vorstellen, dass man damit versucht hat, das Holz vor der Seeluft im Container zu schützen. Also so eine Art Schutzlackierung. Da das Palisandergriffbrett auch mit kleinen Leimspritzern bekleckert und der erste Bund voll Klarlack ist, werde ich hier eben auch schleifen. Die Bundstäbchen sind zum Teil auch etwas rau und ich werde beim Bearbeiten des Griffbretts hier mal Hand anlegen. Ansonsten ist der Hals schön gerade. Toll. Das kann sich sehen lassen. Bin mal gespannt, was passiert, wenn da Saiten drauf kommen.
Hier zeigt der Pfeil im ersten Bund nochmal auf diesen "Schutzlack" hin. Die Mechaniken wirken recht robust und sind ordentlich lackiert. Die Mechaniken sind hier nur locker eingesteckt und schon verrutscht. Die Anzeichnungen bedeuten eigentlich gar nichts. Es gab da eine Idee, die Kopfplatte noch weiter zu individualisieren, aber die Idee habe ich ganz schnell wieder verworfen.
Der Pfeil zeigt die Stelle, wo die (Stereo-)Zargenbuchse eigentlich rauskommen sollte, um sie dann mit einer Mutter am Body zu fixieren. Die Zargenbuchse ist leider zu kurz und somit kann ich die Mutter nicht aufschrauben... Nicht schlimmmmmm. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, das ich basteln wollte??? Bohre ich eben von der Body Seite aus ca. 1,5 - 2cm tiefer rein, Richtung E-Fach...
Der linke Pfeil deutet auf den Anteil vom Body, den ich jetzt angeschrägt habe. Wie man sehen kann, habe ich mich gestern auch intensiver mit der Passgenauigkeit zwischen Hals und Halstasche auseinander gesetzt. Jetzt passt es ganz gut, wenn auch noch heftig stramm. Das ist auch der Grund, warum man auf dem Bild sehen kann, dass der Hals noch nicht 100%ig in der Tasche sitzt. Hab das nur für's Fotografieren zusammen gesteckt und da der Hals so stramm reingeht, dass ich ihn nachher kaum rauskriege, hab ich mir das ganz Reindrücken mal verkniffen.
Hier eine weitere Ansicht.
Wenn man sich das linke Bild ansieht, fragt man sich wieder, was die Jungs da geraucht haben! Alle drei Bohrungen sind soweit zufriedenstellend. Nur die vierte Bohrung ist gegenüber den anderen riesig! Häää??? Was soll das??? Gut, man könnte jetzt auch dieses Loch benutzen, ohne das schlimmeres passieren würde, weil ja unter der eigentlichen Schraube eine spezielle Unterlegscheibe (liegt dem Set bei) eingesetzt wird. Aber da ich ja alles möglichst perfekt haben möchte, werde ich hier heute Abend einen passenden Holzdübel einleimen, diesen nach der Trocknungszeit von der Halstaschenseite her absägen, mit der Oberfläche der Halstasche bündig schleifen und ein neues, passend großes Loch rein bohren. An dieser Stelle mal ein Tipp: Jeder der sich diesen oder einen ähnlichen Bass nachbauen möchte, sollte vor dem Einsetzten der Schrauben die Löcher vorbohren, damit das Holz nicht reißt oder splittert.
Heute werde ich dann auch mal am Hals ein Teil vom Griffbrett raus sägen, um an der Stelle den Sattel einzulassen. Später wenn alles soweit passt, werde ich den Kunststoffsattel mit Heißkleber einsetzen. Den Sattel brauche ich aber, um unter zur Hilfenahme der "H" und der "G" Saiten, den L-Steg auszurichten. Auch hier müssen die 6 Löcher zur Befestigung des Steg ́s noch vorgebohrt werden.
Hier mal ein Bild wie der Bass zusammengesteckt aussieht, ohne Pickup´s und Elektronik.
Ich habe den gesamten Korpus einmal mit 100er Schleifpapier bearbeitet. Den Korpus habe ich im Anschluss mit einen feuchten Schwamm abgewischt, damit sich die Holzfasern aufstellen konnten und nach 6 Stunden Trocknung ging's mit 320er Schleifpapier weiter. Jetzt ist der Body schön glatt und eigentlich vorbereitet für ́s Beizen. Nach dem Schleifen habe ich die Pick-Up-Aussparungen und das Elektronikfach mit Abschirmlack ausgepinselt. Den Abschirmlack habe ich mir selber angerührt, mit stinktnormalen Acryllack in Seidenmatt schwarz und Graphitpulver. Über Nacht konnte das ganze aushärten.
Hier noch mal ein weiteres Bild vom Elektrofach. Wer kein Graphitpulver zuhause hat, und das dürften die wenigsten sein, kann sich natürlich auch fertigen Abschirmlack kaufen.
Der gelbe Pfeil zeigt auf eine ordinäre kleine Latte an der der Bass zurzeit befestigt ist. Diese Latte dient lediglich als eine Art Griff, damit ich den Bass später besser beim Beizen festhalten kann. Der grüne Pfeil zeigt auf eine Testbeizung hin. Der Farbton ist okay und kann so bleiben. Der blaue Pfeil zeigt den Aus- bzw. Eingang eines kleinen Kanals den ich von dieser Stelle zum Elektrofach gebohrt habe, um später durch den Bohrkanal das Erdungskabel der Elektronik zu führen. Heute Abend kommt die zweite und letzte Schicht rein (siehe rote Pfeile).
Als nächstes werde ich mir ein doppeltes Batteriefach für 9 Volt von Bopla (BE60) besorgen und eine Aussparung im hinteren/oberen Teil des Body machen, um die 18 Volt Spannungsversorgung für die zusätzlich gekaufte "Artec SE2"-Elektronik gewährleisten zu können. Richtig, der Bass wird langsam aktiv.
Heute ging es doch noch einen kleinen Schritt weiter. Ich wollte die Kunststoffplatten (Halsstab- Abdeckung und Elekronikfach-Abdeckung) durch Metallteile austauschen. Diese wurden gerade geliefert. Morgen werde ich sie noch etwas entgraten und schwarz lackieren.
Hier ein weiters Bild.
Als nächstes werde ich mir ein doppeltes Batteriefach für 9 Volt von Bopla, das BE60 besorgen und eine Fräsung im hinteren / oberen Anteil des Body machen um die 18 Volt Spannungsversorgung für die Elektronik gewährleisten zu können, die ich für meine zusätzlich gekaufte "Artec SE2" Aktive Elektronik brauche. Richtig, der Bass wird Aktiv.
Hier nochmal eine Detailansicht der BE60 Box bzw. der Kontakte.
Mit diesem Öl habe ich den Hals bearbeitet und das mit traumhaften Ergebnissen! Es ist ein super schneller und super glatter Hals geworden. Allerdings sollte man nicht den gleichen Fehler machen den ich gemacht habe und das Holz nach der Behandlung ruhig drei Tage in Ruhe lassen.
Die Kopfplatte ist gebeizt mit Clou Beize. Was man auch schon sehen kann, ist die konkave Ausbuchtung, ganz oben am Ende der Kopfplatte. Sie hat nichts zu bedeuten und ich habe sie nur gemacht, weil es mir gefiel und die Kopfplatte dadurch ein wenig mehr "Pfiff" bekommt. Auch kann man sehr gut die drei 1,5mm Vorbohrungen für die Halsstab Abdeckung sehen, die sich durch die Beize als deutliche dunklere Flecken darstellt.
Erst wurden ca. 2,5cm tiefe Bohrungen (eben so tief wie das Batteriefach ist) in allen vier Ecken gebohrt. Der Bohrer selber hatte einen Durchmesser von 10mm. Mehr schafft das Bohrfutter meines Akkuschraubers nicht. Nach den Bohrungen bin ich mit der Stichsäge von Ecke zu Ecke gegangen um einen sauberen Schnitt für mein Kästchen zu bekommen. Und weil Erle gut spaltbar ist, war es jetzt auch wirklich kein Problem mit einem ordinären Flachschlitzschraubendreher und einem leichten Hammer, vorsichtig einzelne Fragmente aus dem Holz zu lösen.
Die BE60 Box eingesetzt.
Nachdem alles raus war, wurde noch schnell ein Loch, von der Batteriefach-Aussparung zum Steg- Pick-Up gebohrt. Diese ist wichtig, um die Kabel der Stromversorgung unter den Pick-Ups wegführen zu können. Da es ja schon eine Bohrung zwischen der Steg-Pick-Up-Aussparung und dem Elektrofach gab, gelangten so die Kabel ganz elegant in das Elektrofach. Auf den nächsten Bildern sieht man die doppelte Batterieaufnahme und die Kabel sind rückseitig bereits verlötet.
Ich weiß nicht ob es richtig ist, oder ob ich mit der Maßnahme am Ziel vorbei geschossen bin, aber da ich noch selbstklebende Alufolie Zuhause rumliegen hatte, habe ich die Pick-Ups gestern Abend einfach mal damit beklebt. Jetzt hoffe ich nur darauf, dass ich damit keinen Schaden angerichtet habe. Auf dem Bild sieht man einen PU schon eingepackt und 10 Minuten später, sah der zweite PU bereits genau so aus.
Gestern Abend habe ich dann den Body zum ersten mal gebeizt...Schock! Gott wurde der dunkel... aber glatt... aber auch dunkel... aber auch glatt! Ich wollte ihn ja in dunkelbraun aber doch nicht so extrem! Also heißt es auch hier: noch mal schleifen und fummeln bis es bei gleicher Glätte zu einem helleren Farbton kommt. Viel schlimmer ist es aber, wenn man zu blöd zum Lesen ist. Oder zu faul. Oder beides! Oder von Natur aus eine Schüppe im Schädel hat. Man man man... da wundere ich mich heute Morgen warum der eingeölte Hals immer noch klebt. Also habe ich fluchs auf das Weißblech der Verpackung geschaut. Zitat: "...dann reiben sie das restliche Öl, welches nicht in das Holz eingezogen ist, mit einem fusselfreien Lappen ab..." Und jetzt ratet mal, was ich gestern Abend NICHT gemacht habe. Also... alles nochmal auf NULL gesetzt und wieder von vorne anfangen. *grrrrrrr*
Ein weiteres Bild. Diesmal von hinten. UND: Ich habe es mir noch mal überlegt. Ich lass ihn so dunkel. Ich mag nicht mehr und möchte endlich zu einem Ergebnis kommen. Also habe ich jetzt bald einen Bass in schokoladenbraun... feinherb... lecker! Endspurt: Nachdem ich also vorgestern den Hals mit sanfter Gewalt in die Halstasche gedrückt hatte, und die Mechaniken, Steg (Achtung: Hier nicht vergessen das Massekabel drunter weg zu legen), Pick-Ups, Batteriefach und ein Teil der Potis eingesetzt hatte, ging es gestern ans Verlöten. Ich hatte schon ordentlich Manschetten vor der Nummer, auch wenn die Bauteile meiner Aktiv-Elektronik („Artec SE-2“) sehr gut und deutlich beschriftet war. Aber mit ein wenig Ruhe ging das schon. An dieser Stelle möchte ich mich aber einmal herzlich bei Cadfaels für die geniale Unterstützung bedanken!!! Für alle, die das mal nachbauen möchten, folgende Erklärungen von Cadfaels zu den mitgelieferten PUs, nachdem ich ihm meine gemessenen Werte zugeschickt hatte: >>Also... die beiden Spulen Deiner PUs sind in Reihe geschaltet... Da es sich um PUs handelt, nimmt man nicht "R" (wie vielleicht noch aus dem Physikunterricht bekannt), sondern "I" (für Impedanz). Also ergibt sich bei Reihenschaltung folgendes: Igesamt = I1 + I2“ schwarz = 15,5k Ohm. grün > rot+weiß = 7,76k Ohm schwarz > rot+weiß = 7,70k Ohm. Ergo stimmt alles. Messungenauigkeiten gibt es immer!!! VERMUTLICH ergeben grün+weiß die eine und schwarz+rot die andere Spule. Grün = Masse Spule 1 weiß = Hot Spule 1 rot = Masse Spule 2 schwarz = Hot Spule 2. So ist dann auch der "Weg des Stroms". Gegebenenfalls müsste man rot und weiß entlöten und sehen, wo die 7,75 Ohm wirklich entstehen. Jetzt hieß es Rechner hochfahren und mal gucken, ob man dem Ding einen Ton entlocken kann. Schnell noch die zwei 9V-Blocks in das Batteriefach gelegt. Alles angeschlossen, Reaper starten, neue Spur, VST Plug-in aufrufen, Kopfhörer aufsetzen, Luft anhalten, ein letzter Blick zu meiner Frau und ich sehe schon wie sie anfängt sich sanft vor Spannung auf die Unterlippe zu beißen... ihre Daumen wandern langsam aber stetig in die Handinnenfläche und ich verstehe sofort, sie wünscht mir Glück. Geschmeidig ein F# gegriffen und die rechte Hand sucht wie von alleine die "E"-Saite... 3... 2... 1... FEUER!!!.... Nix! Schock! Nein! F...k!!! Was jetzt??? Volumen Poti offen? Nein! Also neuer Versuch und dann kam's... BAMMMMM.... Es lebt! Es lehehehebbbbbt!!! Meine Kreatur... sie Lebt!!!! (Übrigens ist so auch der dusselige Name der Website so zu erklären) Yiha... die Augen meiner Frau weiten sich, ihr Mund lächelt, als ich auf der Couch ausflippe, wie ein kleines Kind zu Weihnachten!!! Meine Frau steht auf und geht schon mal ins Bett, denn sie weiß: Heute kommt der Alte noch lange nicht! Recht hat sie. Ich versuche mal wieder ein wenig ernst zu werden. Also: Der Sound der Pick-Ups ist wirklich, wirklich nicht schlecht. Ich hatte eigentlich vor, die PUs gegen die „Seymour Duncan SSB 5 Set“-Pick-Ups auszutauschen, aber ganz ehrlich? ICH LASS ES! Kein Rauschen ist zu hören. Nur sehr, sehr, sehr leicht, sobald man die Höhen rein dreht. Der Balance-Regler tut was er soll. Genau so verhält es sich mit den anderen Potis. Sie laufen leichtgängig und präzise. Die PUs haben ordentlich Dampf unter der Haube. Also sagen wir es mal so: Ich hatte vor 13 Jahren einen Yamaha Bass für ca. 800 DM. Der konnte auch nicht mehr! Eine Video-Rezension und Soundbeispiele kommen in den nächsten Tagen... *aktueller Preis: 94€ (Stand: September 2013)

 

Gib deinen Senf dazu und sag uns was Du denkst...