Baubericht : „JEM Nachbau – Tree of Life“

AHHHHH!!! Der Postbote zieht die Augenbrauen hoch, legt den Kopf etwas zur Seite und meint leicht abwertend: "Wirklich?!" Tja, ich brauch kein Zalando um an der Haustüre auszuflippen. Der Bausatz ist da und es kann los gehen.
- Linden Korpus - Hals Ahorn mit 24 Jumbo Bünden - Griffbrett : Palisander mit "Tree of Life" inlays - White Perl Pickguard - Floyd Rose Tremolo - Mensur : 25,5" - Tonabnehmer : 2 x Humbucker + 1x Singel Coil - Elektronik : 5 Wege Schalter / 1 x Tone + 1 x Volumenregler - Hardware in Gold (bis zur kleinsten Schraube 🙂
Als erste Maßnahme wurde gestern der Hals bearbeitet. Der erste Schliff erfolgte mit 120er-Schleifpapier. Kopfplatte von allen Seiten, inklusive Hals von hinten, ausgenommen natürlich des Griffbretts. Danach noch eine Tour mit 180er- und 240er-Schleifpapier. Das Griffbrett wurde mit 400er- und anschließend mit 800er-Schleifpapier bearbeitet, mit einer Filzscheibe poliert und dann mit Möbelpolitur gefinisht. Der Kontrast zwischen dem fast Ebenholz wirkenden Palisander-Griffbrett und den Inlays kommt jetzt sehr schön zur Geltung.
Mumifizierter Hals oder auch „Wie schütze ich das Holz vor den nächsten Bearbeitungsschritten?“
Dieses lila Tape ist nichts anderes, als ordinäres Maler-Krepp, welches man auch bei der Renovierung in den eigenen vier Wände einsetzt. Die Kopfplatte bleibt hier frei, weil ich die als nächstes grundieren möchte. Das geschieht mit Sprüh-Grundierung. Anschließend wieder schleifen mit 240er-Schleifpapier. Wieder grundieren und mit 400er-Schleifpapier drüber gehen. Danach noch ein Vorgang mit 600er- Schleifpapier.
Hier mal ein Bild von dem fertigen Hals, nachdem er 3x geölt wurde. Natürlich immer mit Zwischenschritten. 240er-, 400er-, und 800er-Schleifpapier.
Was man hier sieht, ist schon die fertige Kopfplatte. Wie ich da im einzelnen hin gekommen bin, erkläre ich in den folgenden Sätzen: Nach der Grundierung die erste Lackierung in hochglanz-weiß. Anschleifen mit 240er-Schleifpapier. Danach wieder lackieren. 400er-Schleifpapier. Lackieren und nach der Trockenzeit mit 600er-Schleifpapier behandeln. Lackieren und mit 800er- Schleifpapier nass(!), nur noch die erste Lackschicht vorsichtig anschleifen.
Nachdem alles schön trocken ist, kommt die erste Klarlackschicht. Angeschliffen wurde hier mit 800er- und mit 1200er-Schleifpapier. Alles Nass. Danach mit Autopolitur behandelt. VORSICHT an dieser Stelle: Ich selber wurde beim letzten Arbeitsschritt, also dem Polieren, zu schnell. Soll heißen, die letzte Klarlackierung sollte hier echt mal ein paar Tage vor der Politur in Ruhe aushärten. Das Ergebnis sieht zwar richtig gut aus, der Lack ist aber noch weich und reagiert auf Druck. Als ich unmittelbar nach der Politur die Mechaniken aufgeschraubt habe, habe ich mir Fingerabdrücke auf die Kopflatte gestempelt. Deshalb... Ruhe bewahren und Trocknen lassen!!
Zwischenzeitlich habe ich den Body mit meinem selbstgemachten Abschirmlack ausgepinselt. Damit sich die Löcher für die Tremolohalter nicht weiter mit Lack verengen, und was noch schlimmer wäre, beim Einschlagen der Hülsen der Lack auf der Rückseite Schaden nimmt, habe ich die Hülsen heute schon eingeschlagen. Die gingen in meinem Fall so schwer rein, dass an einem Loch ein Stück Holz rausgebrochen wurde. Siehe unterer Pfeil auf dem nächsten Bild.
Als wäre das nicht schon schlimm genug, hat das Einschlagen der Hülse auch dafür gesorgt, das ein Teil Holz auf der Rückseite angerissen ist. Siehe die zwei Pfeile oben. Jetzt darf ich das wieder Leimen! Na Prima!
Beim losen Einlegen der Tremolos habe ich festgestellt, dass die Fräsung für besagten Tremolo nicht ganz sauber gemacht wurde. Das Tremolo, der Tremolo (wie heißt das eigentlich richtig?) schrappt an der linken Seite, ganz, ganz leicht (siehe rote Pfeile). Wenn hier noch Lack an dieser Stelle sitzt wird es noch enger und deshalb darf ich hier gleich noch einmal nacharbeiten. Gott sei Dank, hab ich mir mal einen Dremel gekauft und kann das schnell beheben. Rechte Seite ist alles okay. Siehe auch grüne Pfeile. Die Anzeichnung ist gemacht, also wieder ab in die Werkstatt.
Inzwischen wurde auch der Body lackiert. Auf die Lackierung bzw. die einzelnen Schritte gehe ich später noch einmal ein. Während der Lack aushärtet, hab ich angefangen das Pickguard von hinten mit Alutape zu tapezieren.
Ob es wirklich zur Abschirmung beiträgt kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Da gehen die Meinungen auseinander. Die einen behaupten das würde nichts bringen, da Alu so dünn und in dieser Form nicht isolieren kann. Ich frage mich an der Stelle aber, warum findet man in fertigen Gitarren von namhaften Herstellern dieses Tape, wenn auch deutlich weniger, als ich es hier gemacht habe, wenn es wirklich nichts bringt. Na ja... schaden wird es wohl auch nicht.
Hier mal das Pickguard-Board mit der aufgeschraubten Elektrik. Ein Wort zu den Potis: In meiner Sendung lag ein vorverdrahteter 5-fach Wahlschalter dabei. Mit 3 Potis. 2x Ton und 1x Volume. Das Pickguard selber hatte zwei Löcher. Also einmal Ton und einmal Volume. Es lagen drei Unterlegscheiben, aber nur 2 Muttern, so wie 2 Knobs, also Potikappen, bei. Auf Rückfrage hieß es dann, ich solle einfach ein Ton-Poti abkneifen. An einem der Ton-Potis war eine kleine Metallasche. (Das ist übrigens bei mir der Poti der nicht weggekniffen wurde). Hätte ich diesen stumpf eingesetzt und mit der Mutter auf der Pickguard Seite verschraubt, hätte ich einen Abstand von gut und gerne 4mm zwischen Potikappen-Unterseite und Pickguard-Board gehabt. Sehr unschön. Da die Metalllasche nur auf einer Seite des Potis zu finden war, hätte das Poti dann auch noch schräg drin gesessen. Was so was soll ist mir unbegreiflich! Also habe ich erst eine weitere Mutter auf die Potis geschraubt. Die Potis durch das Loch des Pickguard-Board geschoben und normal von oben verschraubt. Platz im Body steht genug zur Verfügung.
Anstelle der Plasikabdeckung habe ich eine Abdeckung aus VA-Stahl angefertigt und diese in der Farbe der Gitarre lackiert.

 

 

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