Philosophie

 

Der eigentliche Ton entsteht durch das Zusammenspiel weniger Dinge:

  • dem Gitarristen bzw. Bassisten als Individuum  
  • den verwendeten Pick-Ups 
  • dem gespielten Amp, seinen Einstellungen und seinen Speaker
  • den Effekten
  • den verwendeten Saiten


Alles andere sind lediglich Komponenten, die den Ton positiv oder negativ beeinflussen. An keiner Stelle werde ich Dir versuchen, deinen Selbstbausatz als das Nonplusultra zu verkaufen, aber…

Ahorn, Mahagoni, Linde, und alle sogenannte „Tonhölzer“… das Holz ist nur ein Teil einer ganzen Kette von Faktoren die über die Klangcharakteristik einer Gitarre entscheiden. Die Schwingung der Seite bekommt eine leichte Einfärbung über die Eigenschaft des Holzes. Harte Hölzer mit hoher Faserdichte klingen tendenziell heller und knalliger. Sie haben weniger Bassanteile und guten Sustain. Bei weichen Hölzern, ist der Effekt genau gegenteilig. Interesannter wie der Klang selber, ist hierbei allerdings das Schwingungsverhalten des Holzes auf die Klangdauer, also auf das „Sustain“. Klingt eine Gitarre unverstärkt, knackig und drahtig und wir möchten genau diesen Sound einfangen, dürfen wir dabei nicht vergessen, das unsere Pickup´s keine Mikrofone sind und nur ein Ziel verfolgen, Die Schwingung der Saiten in Elektrische Signale zu wandeln. Es gibt aber kein „knackiges“ oder „drahtiges“ Schwingungsverhalten einer Saite.

Firmen verwenden bei der industriellen Fertigung aus gutem Grund bestimmte Holzarten, da sie entweder leicht zu bearbeiten oder in großen Mengen für relativ kleines Geld zu bekommen sind. DAS ist der Grund! Das Marketing nennt diese Holzarten dann geschickt „Tonhölzer“ und die Hersteller und Kunden sind zufrieden. Das klingt chic und keiner fragt mehr, warum Gitarren so selten aus Kiefernholz sind, obwohl sie dann viel besser zu den meisten Schrankwänden Zuhause passen würden. By the way,…die Fender Modern Player Plus Tele für ca. 500 € zur Zeit (Stand Januar 2016), wird tatsächlich in Kiefer gefertigt !

Auffällig ist, das die Errungenschaften der Gitarrenbauer über Klangcharakteristik aus der Welt der Akustik Instrumente, von vielen 1:1 für Elektrisch Verstärkte Instrumente übernommen werden. Es braucht also keine Riegelahorndecke auf unserem Les Paul Patienten um de Höhen zu betonen. Es braucht nur einen Poti am Amp mit der Aufschrift „Treble“

Menschen werden leicht zu Opfern von Marketing und Werbung. Doch es kommt noch besser… 

Künstler müssen sicherlich ein wenig „verrückt“ sein, aber wer sich ernsthaft einbildet, dass er einen 5- schichtigen grünen PU-Lack auf dunkel gebeiztem Holz von einem 6-Schichten Nitrolack in rot, der auf hellem „Tonholz“ aufgebracht wurde, klanglich voneinander unterscheiden kann, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Wären wir Rennfahrer, statt Gitarristen, würden wir uns zunächst Gedanken über einen leistungsstarken Motor machen, ein straffes Fahrwerk in unseren Rennwagen verbauen und Reifen mit ordentlich Grip auf die Achsen schrauben, bevor wir uns Gedanken darüber machen, mit dem richtigen Lack eventuell noch eine tausendstel Sekunde zusätzlich rauskitzeln zu können. Aber weil wir Gitarristen und Bassisten sind, denken wir über den richtigen Lack ALS ERSTES nach. Wie sinnvoll das ist, merkt Ihr selber, oder? 


Selbstverständlich hat der Lack eine Auswirkung auf Autorennen und auf den Klang deiner Gitarre, aber niemals ist die richtige Wahl der Beize und des Lacks entscheidend über Sieg oder Niederlage, über Wohlklang oder Ekelsound. Nicht auf der Rennstrecke und auch nicht auf der Konzertbühne! Wer diesbezüglich anderer Meinung ist, der darf das gerne bei Facebook in seinen Chronik-Status schreiben. Ich bin sicher, 5.378 Fledermäusen mit Ultraschallgehör „gefällt“ das! 

Und damit wären wir beim nächsten wichtigen Thema. Das Hörempfinden. Es ist seit Jahrzehnten bekannt, das junge Menschen Töne und deren Frequenzspektrum anders wahrnehmen wie alte Säcke. Wo ich noch ein wenig mehr Höhen brauche, verzieht mein Kind schon das Gesicht weil es für seine Ohren zu „spitz“ klingt. 

Aber wenn das verbaute Holz und der verwendete Lack nur ein kleiner Teil einer ganzen Kette von Faktoren ist, die den Klang einer Gitarre ausmachen, dann wird es jetzt erst richtig spannend. Was entscheidet denn dann über „gut“ oder „schlecht“ ? Die Potis ? die Widerstände ? die Pick-Ups ? das Griffbrett ? der Gitarrenhals ?… geschraubt oder geleimt… und was ist mit der Hardware ? z.B. dem Tremoloblock, weil vielleicht nicht aus 48fach gefalteten und von Hand geschmiedeten Japanstahl und wenn dann nur in den Feuern des Schicksalsberges von Gonorrhoe, oder wie das hieß und wenn nicht der Tremoloblock dann die Mechaniken und wenn nicht die Mechaniken usw. Ich grenze meinen Monolog an dieser Stelle einmal ein und sage, die Summe der Kleinigkeiten, ergibt unterm Strich ein ganzes. Als ob diese schwammige Aussage nicht schlimm genug wäre, leg ich noch einen oben drauf und sage, Was für mich eine gute Gitarre oder ein guter Bass ist, kann für Dich schlecht sein und umgekehrt. Eine Konstante bleibt : DU BIST DER WICHTIGSTE FAKTOR UND ÜBEN, ÜBEN, ÜBEN !

Den eins ist doch wohl klar, gute Gitarristen und Bassisten holen richtig Sound aus 120€ Teilen und Anfängern fällt es schwer, auch nur einen halbwegs ordentlichen Klange aus ner 30.000€ Gitte zu kriegen.

Tatsache ist, Nachbauten aus Bausätzen klingen nicht wie das Original! Aber, nicht mal das Original klingt wie das Original! Eine originale Telecaster klingt niemals wie eine andere originale Telecaster, selbst wenn sie von selben Hersteller und aus der gleichen Baureihe stammt. Probiert es beim Händler ruhig mal aus. Trotzdem klingen alle diese Originale und auch alle gewissenhaft zusammengesetzten Bausätze fett nach Gitarre und Bass. Ob „gut“ oder „schlecht“ bleibt dabei die Wundertüte. Am Ende wird abgerechnet und ob DEINE Gitarre oder DEIN Bass gut ist, sagen Dir deine Finger, dein Gehör, deine Augen und dein Herz nach dem Zusammenbau. 

Wer jetzt immer noch der Überzeugung ist, das man unbedingt ein spezielles Holz braucht, dem lege ich ans Herz, sich einmal die Gitarren von Galasso genauer anzusehen. Der Korpus wird aus einem SKATEBOARD gebaut. Oder was ist mit der Danelecro DC 59 die Jimmy Page von LED Zepplin in dem Song „Kashmir“ spielt ?! Der Gitarrenkorpus wird aus Masonit gefertigt. Ein Material aus dem Küchenarbeitsplatten gebaut werden.. Also hatte Jimmy Page nen Nagel in der Kappe, so ein Teil für Kasmir einzusetzen ? Mit Neffen und Nichten euer Merkwürden. Der Jimmy wollte den Sound haben. Kack egal aus was das Ding ist. Vielleicht ist ja genau das der richtige Ansatz. Egal welches Holz, egal welcher Lack, egal welche Hardware,…Let´s play Rock´n´Roll ! 


Wenn Du also ein wenig technisches Verständnis und Geduld hast, dann baue Dir ein Instrument. DEIN Instrument. Baue es so einzigartig, wie Du selber bist und klinge so, wie DU klingst, ohne dabei irgendwelchen teuren Originalen nachzulaufen oder falschen Idolen nachzueifern. Bleib DU! 

frankensteins-braut.de unterstützt Dich dabei bis zu dem Moment wo Du „Saft“ drauf gibst, sie ächzt und grunz und schreit und sich von ihrem „Behandlungstisch“ erhebt und LEBT!  Muhhhaaaaa… MUHAAAHAAA… SIE LEBT… SIE LEHHEHHEEBT!!!!

 

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